Film

Am Abend des 19. Novembers 1984 finden Steffen Wernéry und Wau Holland eine Lücke im Btx-System, durch die sie 135.000 DM von der Hamburger Sparkasse auf das Konto ihres Hackervereins transferieren. Am nächsten Tag überweisen sie das Geld öffentlichkeitswirksam zurück. Der „Btx-Hack“ wird zum historischen Ausgangspunkt des deutschen Hackertums.

Ende Mai 2007 wird mit großer Mehrheit im deutschen Bundestag der zweite Hackerparagraf (§202c StGB) verabschiedet. Der Paragraf verbietet die Herstellung und Verbreitung von Zugangscodes zu geschützten Daten sowie die Herstellung und den Gebrauch von Werkzeugen („Hackertools“), die diesem Zweck dienlich sind.

In diesen 23 Jahren hat sich die deutsche Hackerszene vollkommen verwandelt. Aus den Datenreisenden von einst mit „Kolumbusgefühlen“ und Robin-Hood-Attitüde sind heute Virenprogrammierer, Sicherheitsexperten und Datenschützer geworden.

Alexander Biedermann begegnet fünf Hackern, die unterschiedliche Lebenswege gehen und sich einen Namen in der Hackerszene gemacht haben. Ihre Geschichten sind oft so kurios wie überraschend: Steffen Wernéry und Reinhard Schrutzki gehören zu der ersten Hacker-Generation. Als Pioniere eines neuen Zeitalters entdeckten sie hinter der Telefonbuchse ihres Hobbykellers eine unbekannte Welt. Die Mitbegründer des Chaos Computer Clubs sind die Hacker von damals, die mit dem legendären NASA-Hack von 1987 in Verbindung gebracht werden. Irgendwann holten sie die Ereignisse in Form von staatlichen und gegenseitigen Verdächtigungen ein. Was ist geblieben vom Pioniergeist?

Die Hacker der Gegenwart wie Marcell „Skyout“ Dietl oder Marko Rogge kreieren Viren oder scannen das Internet nach Sicherheitslücken, um die digitale Welt – wie sie sagen – „sicherer“ zu machen. Aber auch sie sind bereits ins Visier des Staatsschutzes geraten. Wie fühlt es sich an, das Doppelleben zwischen Hacker und Sicherheitsberater?

Eingesponnen sind diese vier Erzählungen in Begegnungen mit Paul Ziegler. Hacker wie er gelten als die Architekten der IT-Welt von morgen, doch ihr Berufsstand ist einer der umstrittensten unserer Zeit. Vor der Kulisse Tokios findet man den jungen Mann in einer Welt, die zwischen Realität und Virtualität kaum noch unterscheiden mag. Der Film folgt ihm durch seine neue Heimat und gewinnt Einblicke in eine Persönlichkeit, die zwischen intellektuellen Herausforderungen und ganz alltäglichen Selbsterfahrungen hin und her schwankt.